03.07.2023, 22:06
Ein Ende ist ein Anfang ist ein Ende
Er schwieg die Fahrt über, traute sich aber zumindest ein wenig aus dem Fenster zu blicken. Als er hierher gebracht worden war, hatte er nichts sehen können. War in einem weißen, fensterlosen Van gewesen und hatte verbundene Augen gehabt, um auch auf dem Weg vom Van ins Haus nichts sehen zu können. Erst jetzt realisierte er, dass es sich hier wohl um ein ganz normales Wohngebiet handelte. Dass hier Kinder spielten, deren Eltern wohl keine Ahnung hatten, was in der Finca am Ende der Straße passierte.
Im Flugzeug selber wurde seine Nervosität dann wieder größer. Er hatte einfach keine Ahnung, in welches Leben dieses Flugzeug ihn bringen würde. Was dieser Mann von ihm erwartete. Als er die Hand auf dem Rücken spürte, musste er tatsächlich zucken. Zum Einen hatte er gerade nicht mit einer Berührung gerechnet und zum Anderen verband er Hände auf seinem Körper nicht mit positiven Gefühlen. Trotzdem nahm er dann auf einem Ledersessel Platz, in dem er regelrecht einsank. Das war der gemütlichste Stuhl, auf dem er je Platz genommen hatte und er konnte gerade gar nicht anders, als sich instinktiv zurückzulehnen.
Die anderen Männer verschwanden in einen anderen Teil des Flugzeugs, waren für Nathaniel nicht mehr zu sehen. Die Stimme des Anderen klang gerade offen. Nicht wütend oder bedrohlich und trotzdem traute Nathaniel sich gerade nicht ihn anzusehen. Man hatte ihm diese Regeln schmerzhaft eingetrichtert, auch wenn man dabei darauf geachtet hatte, keine Spuren zu hinterlassen um die kostbare Ware nicht zu beschädigen. Und noch wusste er nicht, wie viel Wert der Andere auf diese Regeln legte.
„Du kannst mich nennen, wie du möchtest. Es... obliegt dir, mir einen Namen zu geben.“ Antworten, die er trainiert hatte, die abgefragt worden waren wie Vokabeln.
Er spürte das Brummen des Motors, das Vibrieren und hielt sich an den Armlehnen fest. Gerade war alles beängstigend. „Wie möchtest du genannt werden?“, fragte er dann aber. In den letzten zwei Monaten war jeder einfach nur <i>Sir</i> gewesen und Nathaniel wusste, dass auch viele Käufer darauf wert legten, wollte aber sicher gehen.
Er neigte seinen Kopf leicht zur Seite um aus dem Fenster gucken zu können. Immerhin war er noch nie geflogen. Die Startbahn zog immer schneller an ihnen vorüber und als da Flugzeug schließlich abhob, machte sich ein unbekanntes Gefühl in seinem Magen breit, das er nicht zuzuordnen wusste.
Was allerdings mochte war zu sehen, wie die Welt unter ihnen immer kleiner wurden. Die ultimative Gewissheit, dass er diesen Ort verlassen würde. Und er würde alles dafür tun, ihn auch nicht noch mal sehen zu müssen.

