03.07.2023, 23:00
Ein Ende ist ein Anfang ist ein Ende
,,Nathaniel …“ Alexander sprach den Namen langsam aus, kostete ihn auf der Zunge und nickte leicht. ,,Ein schöner Name, für einen schönen jungen Mann!“ ein sanftes Lächeln schenkte er ihm. Alexander blickte aus dem kleinen Fenster, beobachtete wie die Wolken an ihnen vorbeizogen und spürte wie die Anspannung langsam aus seinem Körper wich. Es würde noch zwei gute Stunden dauern bis sie auf dem kleinen, privaten Flugplatz landen würden und dann noch einmal eine weitere Stunde mit dem Auto bis sie die gesicherte Anlage auf dem weitläufigen Privatgelände seiner Familie erreichen würden. Direkt an der Küste gelegen, mit direkten Blick auf den Atlantik und der Sonne im Gesicht. Der Wunsch von Nathaniel war klein und doch nickte Alexander, aus dem Augenwinkel konnte er sehen wie Mikel sich bei den Worten erhob und das gewünschte holte. Als beides auf dem kleinen Tischchen zwischen ihnen abgestellt wurde, deutete Alexander darauf. ,,Wenn du etwas anderes haben möchtest oder mehr, dann brauchst du es nur zu sagen es ist genug da!“ obwohl der Junge relativ wohlgenährt wirkte, hatte er seine Schlankheit sofort sehen können und vor allem die Spur seiner Rippen. Ein wenig mehr Gewicht würde wahrhaftig nicht schaden auch wenn er ihn trotz alledem Schlank bevorzugen würde, aber in diesem Augenblick ging es nicht um ihn. Es ging um den Jungen der ihm Gegenüber saß und zögerlich nachdem Teller mit dem Sandwich und der Flasche Saft griff. Er ließ sich Zeit beim Essen, nahm kleine Bissen die er länger als sicherlich normal war kaute und doch sagte Alexander dazu nichts, er ließ ihn während er ihn weiter ansah. Er war wunderschön, selbst in seinem aktuell gewiss noch deutlich verängstigten Zustand war er es. Die Locken waren kürzer geschnitten als er es selbst vielleicht getan hätte, zu einem gegebenen Zeitpunkt würde er Nathaniel fragen ob er es ihm gestatten würde sie länger zu tragen. Er würde gerne mit den Fingern hindurchfahren und sie einzeln von seinen Fingern springen lassen.
Alexander hatte Arbeit zu erledigen, einige seine Kunden hatten neue Geschäftsabschlüsse gefordert und er hatte diese durchzugehen und doch … er konnte sich nicht von dem Anblick des Jungen abwenden der zusammengerollt in dem Ledersitz saß und schlief. Sein Anblick erinnerte ihn an eines der Botticelli Gemälde die er einst in einer Italienischen Kunstgalerie erblickt hatte. Der Schlafende Mars wenngleich die Haarfarbe gewiss nicht übereinstimmte war er von einer bezaubernden, gar außergewöhnlichen Schönheit, die Locken fielen ihm sanft in die Stirn und er zwang sich die Hand nicht auszustrecken um ihn sie aus dem Gesicht zu streichen. Als der Jet auf der Startbahn aufsetzte streckte Nathaniel auf, seine Augen waren groß und Angst schimmerte in ihnen wieder. Alexander konnte es ihm nicht verübeln, doch bei seiner Frage hob er eine Augenbraue und schüttelte den Kopf als er sich erhob und sein Jackett glatt strich. ,,Nein nichts davon wird passieren, wir fahren auch nicht lang zu mindestens nicht solange wie wir geflogen sind!“
Nathaniel sah die gesamte Zeit mit großen Augen aus dem Fenster. Sein Blick huschte über die Weitläufigkeit der Landschaft, dem üppigen Grün das doch bald von der Hitze des Sommers zerfallen würde. Nur am Meer wäre es ein wenig anders, wenngleich kaum kühler. ,,Das Anwesen umfasst mehrere Tausend Hektar, wobei es nur ein einzelnes Wohnhaus gibt. Meine Familie lebt hier schon lange, seit Generationen eigentlich und vor allem im Sommer ist es hier deutlich angenehmer als im Landesinneren durch das naheliegende Meer!“ erklärte Alexander als der Wagen die sanft geschwungene Straße hinauffuhr und das Anwesen in Sicht kam. Kalksteinfelsen stützen die Villa die direkt in die Klippen gebaut worden war, umgeben von gepflegten Grünflächen und Hundert Jahre alten Bäumen die Schatten spenden. ,,Ich werde dir die nächsten Tage eine Führung geben und dir alles erklären was du wissen musst, jetzt ist aber erst einmal wichtig das du in Sicherheit bist Nathaniel!“ es schien eine fast Lächerliche Aussage zu sein in Anbetracht dessen wie sie einander begegnet waren und das Nathaniel vor kaum mehr fünf Stunden auf einem Auktionsblock gestanden hatte.
,,Wenn wir gleich angekommen sind, möchte ich das du ruhig bleibst, dir wird hier niemand etwas tun oder etwas das du nicht möchtest. Ich habe einen Arzt kommen lassen, er wird dich untersuchen wenn das für dich in Ordnung ist, sehen ob du gesund bist und danach kannst du noch etwas essen oder schlafen ganz egal du kannst es ruhig sagen in Ordnung?“ Rückversicherung, Stück für Stück hoffte Alexander das er damit das Vertrauen des Jungen Mannes erwirken würde, wenngleich es wahrscheinlich noch Monate dauern würde, aber was hatte er nicht anderes als die Zeit? Er hatte sein restliches Leben wenn es nach ihm gehen würde.

