05.07.2023, 14:21
Die Sache mit den hübschen Dingen
Nathaniel wusste nicht, ob er Jean mochte. Anfangs war er sich ziemlich sicher gewesen, dass er ihn tendenziell als eher meidenswert empfand. Er entsprach einfach nicht dem Typ Mensch, mit dem er gerne seine Freizeit verbrachte. Trotzdem hatte er vor ein paar Monaten das Angebot angenommen ihn für Geld auf ein Schäferstündchen auf sein Hotelzimmer zu begleiten. Schlicht und einfach, weil er nahezu jede Gelegenheit annahm ein paar Mäuse dazuzuverdienen und damit seine Familie zu unterstützen.
Und trotzdem lag er nun schon wieder nackt und erschöpft auf dem Bauch in einem verboten bequemen Hotelbett und hatte das Gefühl den Anderen noch regelrecht in sich spüren zu können, als der schon längst wieder stand und sich seine Zigarette danach anzündete.
Als er die Stimme vernahm, drehte er seinen Kopf zum Anderen, ehe er sich schließlich abstützte und aufsetzte. „Was hast du denn?“, fragte er neugierig und stand dann auf, streckte sich erst mal und ging dann, nackt wie Gott ihn geschaffen hatte, zur kleinen Präsenttüte, die ihm vorher gar nicht aufgefallen war. Vorsichtig (weil er das Papier nicht beschädigen wollte) packte er die erste Schatulle aus und öffnete diese. Die Manschettenknöpfe strahlten ihn regelrecht an und fast schon ehrfürchtig strich Nathaniel über die Steine. „Sind das Saphire?“, fragte er dann und sah kurz zu Jean, ehe er die Schatulle wieder schloss, zurück in die Türe legte und im gleichen Handgriff die Andere hervorholte. Auch hier gab er sich Mühe das Papier nicht zu beschädigen und lächelte dann etwas, als er das Armbändchen sah. Das passte einfach perfekt zu der kleinen Kette, die er trug und die einst schon am Hals seines Großvaters herumgebaumelt war. Mit der Schatulle ging er schließlich zu Jean und gab ihm einen Kuss auf die Wange. „Danke. Aber du weißt, dass das nicht nötig gewesen wäre, ja?“ Mit einem Lächeln sah er zu ihm und hielt ihm dann die Schatulle hin. „Machst du es mir um?“ Als das Armband am gleichen Handgelenk lag, wie das Freundschaftsband, das er von seiner Schwester erhalten hatte, sah er kurz zur Tüte. „Aber ich fürchte, ich bekomme kaum Gelegenheit die Knöpfe zu tragen. Ich hab nur ein Hemd.. für Beerdigungen und so.“

