Kiss of Freedom and Trust
#6


Kiss of Freedom and Trust
   Fenris Everglade   Ivoire
am 15.08.1998


Sie wollte schreien, ihn erneut schlagen aber all ihre Gedanken wurden mit einem Mal unendlich langsam als sie seine Hände an ihren Wangen spürte und seine Lippen auf den ihren. Es war ein kurzer Kuss, im Grunde nur ein aneinander streichen von Lippen aber es war wahrscheinlich der schönste den sie je erhalten hatte und sie hatte Tausende bekommen.
Sie blinzelte als er sich von ihr löste und ihre Blicke sich ineinander verfingen. Sie holte zitternd Atem, füllte ihre Lungen mit Luft und spürte wie ihre Augen zu brennen begannen. Tränen sammelten sich darin und doch rannen sie nicht über ihre Wangen, würden es wohl nie, nicht solange sie atmen würde.
Vertrauen, so ein kleines, ein so leicht gesagtes Wort das aber in ihrer Welt so viel mehr bedeutete, schwerer aufzuwiegen war als mit Galleonen oder Diamanten.
,,Du bist wahnsinnig!“ flüsterte die blondhaarige Frau leise, bemerkte kaum das sie in ihre Muttersprache wechselte. Ihre Augen schlossen sich bebend, eine Träne rann ihre blasse Wange hinab. Sie vernahm das Rauschen ihres Blutes das in ihren Ohren wieder halte und den Druck auf ihrem Brustkorb, als sie sich die Hand gegen ihr pochendes Herz presste und zurücktaumelte. ,,Vollkommen wahnsinnig …“ hauchte sie und schüttelte den Kopf als sie die Augen wieder öffnete und beobachtete was der Mann tat.
Sieben Jahre hatte sie Tag ein Tag aus ihre Beine für die Männer gespreizt und für die ein oder andere Frau, viele hatten ihr dabei ihre Liebe zu ihr gestanden und noch mehr hatten gesagt das sie sie freikaufen würden, aber keiner, wahrhaftig keiner hatte dies je getan. Sie war am Ende nur das eine was alle Mädchen hier waren, Puppen die niemand wirklich haben wollte, Zerbrochenes Porzellan das niemand mehr zusammenfügen konnte.
Sie zuckte zusammen als das Pulver in seiner Hand auf die Flammen des Kamin traf und dabei ein Zischendes Geräusch entstand, bevor die Flammen die Farbe wechselten und Blutroter Rauch in den Schornstein stieg.
,,Menschen wie mir …?!“ ihre Frage blieb unbeantwortet als er sich aufrichtete und sie ihn erneut anblickte, den Ausdruck in seinen Augen nicht deuten konnte als er in die Innentasche seines Jacketts griff.
Die Kette, feinste Handwerkskunst die das Licht der Magischen Kerzen auffing, fing ihren Blick sofort ein. Sie kannte sich mit Schmuck aus, es gab genügend Freier die ihr bereits etwas geschenkt hatten, die meisten Sachen behielt sie nicht, gab sie an die anderen Mädchen weiter oder verwendete sie als Bezahlung für die Dinge in der Roten Mondfee.
,,In Sicherheit … ich kenne dich nicht … ich …!“ begann sie, brach dann aber ab und schüttelte erneut vollkommen verwirrt den Kopf als er näher trat und dabei immer wieder einen Blick auf die Uhr warf die in seinem Jackett verborgen war.
“Bitte Ivoire glaube mir… ich will dir nichts schlimmes, ich will dir die Freiheit schenken die du verdient hast… dir sämtliche Träume erfüllen…”
Freiheit … Träume erfüllen ... hallte es in ihrem Verstand und sie lachte fast schon hysterisch auf und biss sich auf die Innenseite ihrer Wange, nur um sich zu vergewissern das dies alles kein böser Traum war.
Der Schmerz war scharf und das Blut was ihre Zunge benetzte, ebenso bitter wie Metallisch und es lies sie bewusst werden das dieser Augenblick wahrhaftig real war. Sie hob den Blick und sah in Fenris Gesicht, der Ausdruck in den braunen Augen und den angespannten Zügen schien wahrhaftig nur das beste zu wollen und doch zögerte sie. Zu lang war sie von seiner Art, von seinem Geschlecht misshandelt, geschlagen und gedemütigt worden. Die kleine Stimme in ihrem Kopf flüsterte ihr immer wieder zu das er sie nur für sich haben wollte um sie zu besitzen wie all die anderen vor ihm auch wenn es nur für eine Nacht gewesen war.
Ihre Hand zitterte als sie nach der Kette griff die in seiner Hand ruhte, das Silber fühlte sich kühl unter ihren Fingerspitzen an als sie die Hand darum schloss.
,,Leg sie um … bitte Ivoire, wir haben nicht mehr viel Zeit …!“ der Ton in seiner Stimme war drängend aber noch immer sanft, seine braunen Augen flehend als sie den Verschluss öffnete und ihn hinter ihrem Nacken schloss.
Das erste was sie spürte war ein warmes Gefühl an ihrem Handgelenk, wie warmes Wasser das über ihre Haut rann. Sie blickte auf das schmale Armband aus Silber das an ihrem Handgelenk ruhte und indem Runenzeichen eingelassen worden waren. Die Runen leuchteten hell auf, schienen regelrecht zu glühen bevor sie wieder zu normalen Silber wurden. Ivoire hob den Blick, sah Fenris an der sie vorsichtig anlächelte und schluckte.
,,Ich habe … ich habe noch einige Dinge, sie … sie sind im oberen Stockwerk …!“ erklärte sie stockend und als er nickte und ihr seine Hand hinhielt, zögerte sie keinen Augenblick als sie diese ergriff. Der Griff seiner Hand war warm und fest und mit einem Mal spürte sie ein Kribbeln in ihrem Bauch, ein Kribbeln das sie zuletzt gespürt hatte als sie Fünfzehn gewesen war und ihr Kopf noch voller Träume gesteckt hatte.
[Bild: ivoireavatarp4kkw.png]
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