09.09.2022, 19:34
Von Silbernen Wölfen und schillernden Kolibris
Leise summend hob die Blondhaarige den Kopf und schob sich eine lose Strähne hinter das Ohr. Ihr Kopf ruhte an der kühlen Fensterscheibe, die Sonne stand bereits seit Stunden hoch am Himmel, die Hitze drang sogar durch die Fensterscheiben, wurde aber durch einen Zauber abgemildert. Kornblumenblaue Augen wanderten über die weitläufige Gartenanlage die sich unter dem Fenster erstreckte. Durch die Hitze und die ständige Sonneneinstrahlung war es ohne Magie kaum möglich Blumen und andere Pflanzen zu kultivieren, die kühle Meeresbrise ließ Vegetation zwar zu aber die Hitze Sardiniens war unerbittlich. Magie machte das Pflanzenwachstum möglich und somit waren die weitläufigen Anlagen von Grünem Rasen, Beeten mit Blumen sowie Orangen- und Zitronenbäumen gesäumt.
Fenris hatte ihr erzählt das einige der Bäume schon ein paar Hundert Jahre alt waren. Gepflanzt worden waren sie teilweise von seinen Großeltern, eine Anekdote die sie zum Lächeln gebracht hatte. Die Erinnerungen von vor einigen Tagen drang in ihren Kopf und ließ auf ihren Lippen ein sanftes Lächeln erscheinen.
Sie hatten zusammen gefrühstückt und die Blumen die er hinter seinem Rücken hervorgezogen hatte als sie in die Küche gekommen war, hatte sie zum Lächeln gebracht. Das Gefühl das dabei in ihrem Bauch angefangen hatte zu brodeln war ihr unbekannt gewesen aber ebenso erfreulich, eine Mischung die sie nicht ganz beschreiben konnte, aber es war nichts unangenehmes gewesen.
Ihre Augen fanden wieder den Block den sie auf ihrem Schoß hielt, in ihren Fingern ruhte ein Kohlestift, sie folgte den Linien ihrer Zeichnung und verzog die Lippen zu einem sanften Lächeln.
Die schwarzen Schattierungen und Linien zeigten einen Mann mit einer schief sitzenden Brille, seine lockigen Haaren fielen ihm in die Stirn und ein Lächeln spielte um seine Mundwinkel. Ihr Herz machte einen, ihr unbekannten Flattrigen Satz als sie erneut den Stift umschloss und ihre Zeichnung fortsetzte.
Es war eine Bewegung auf den schmalen Wegen unter ihr den sie den Kopf heben lies. Ihre Augen richteten sich auf den dunkel gekleideten Mann der die gepflegten Kieswege entlang ging. Ivoire spürte wie ihr Mund trocken wurde, ihr Magen zog sich zu einem unangenehmen Ball zusammen, in ihrem Nacken begann es zu Kribbeln. Seine Bewegungen waren fließend und geschmeidig, jede seiner Bewegungen vollkommen kontrolliert als er sich den dunklen Mantel, im gehen von den Schultern schüttelte und darunter einen dreiteiligen Anzug offenbarte der sich an seine breite Statur schmiegte. Als sich sein Blick auf sie richtete, zuckte die Blondhaarige Frau zusammen unter dem intensiven Blick des Mannes, sie rutschte von der Fensterbank auf der sie gesessen hatte. Angst setzte sich in ihrem Bauch fest, eine Gänsehaut kroch ihr über die Arme.

